COVID-Insomnia: "Die Architektur des Schlafs hat sich in der Pandemie verändert" / Experten der Oberberg Gruppe informieren zu Schlafstörungen

Oberberg Kliniken - 10.08.2021

Berlin (ots) - Die Pandemie stresst. Aber prägt die Pandemie auch unseren Schlaf? "Das tut sie", weiß Dr. med. Jaroslav Malevani, Chefarzt der Oberberg Somnia Fachklinik Köln Hürth. "Wir schlafen nicht generell alle schlechter, aber wir schlafen anders", stellt der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie fest. "Die Architektur des Schlafs hat sich in der Pandemie verändert." Schlafstörungen und COVID Der Trend ist erkennbar: Die Menschen sind unruhiger, haben mehr Druck, mehr Stress, mehr Ängste und mehr Alpträume. Sie sind weniger erholt und morgens noch müde und zerschlagen. Das heißt, dass die Qualität und Güte des Schlafs abnehmen. Die Pandemie verstärkt die Störung [Marelli S, Castelnuovo A, Somma A, Castronovo V, Mombelli S, Bottoni D, Leitner C, Fossati A, Ferini-Strambi L. Impact of COVID-19 lockdown on sleep quality in university students and administration staff. J Neurol. 2021 Jan;268(1):8-15. doi: 10.1007/s00415-020-10056-6. Epub 2020 Jul 11. PMID: 32654065; PMCID: PMC7353829.]. Die wiederholten Lockdowns haben den Rhythmus des Lebens verändert, Routinen wurden umgeworfen. Die Menschen sind körperlich nicht ausgelastet, es mangelt an Bewegungsmöglichkeiten. Der veränderte Lebenswandel hat physische und psychische Auswirkungen. Zum Beispiel reagiert der Stoffwechsel: Die Muskelmasse nimmt ab, ebenso verschlechtert sich die Sauerstoffverwertung im Körper. "Das Phänomen 'COVID-Insomnia` ist noch wenig erforscht", sagt der Experte. Aber die psychische Komponente lässt sich bereits gut durch eine Art genereller Zukunftsangst, Sorgen um die Gesundheit, die Familie, die Kinder erklären. Die Sorgen, die tagsüber plagen, finden auch ihren Platz im Schlaf und verstärken sich nachts. Ursache kann die Pandemie sein. "Es kann aber auch einfach sein, dass körperliche Phänomene wie schlafbezogene Atmungsstörungen jetzt nachts eskalieren und deutlicher hervortreten.", weiß Dr. med. Malevani. Davon abzugrenzen sind zusätzlich Schlafstörungen, die bei durchgemachter COVID-19-Erkrankung auch in Folge z.B. von Funktionseinschränkungen der Lungen und weiterer direkter Folgen der Virus-Infektion, auch verzögert (Post-COVID-19-Syndrom) auftreten können. Im normalen Leben kompensiert man latente Störungen. Wenn die Problematik über längere Zeit besteht, kann es wichtig sein, dem Problem nachzugehen. "Quälen Sie sich nicht mit länger anhaltendem, schlechtem Schlaf", rät der Psychiater. "Am besten suchen Sie einen Arzt auf und erfragen Hilfe." Der Schnellcheck: Stress oder Schlafstörung? Wer wissen will, ob er nur schlecht schläft oder schon eine Schlafstörung hat, der kann sich anhand von zwei Parametern selbst überprüfen: 1. Wenn man lange zum Einschlafen braucht, statt einiger Minuten zum Beispiel über eine Stunde, wird es krankhaft. 2. Wenn man häufig aufwacht und schlecht wieder in den Schlaf findet, kann das ebenfalls ein Indiz sein. Treten Ein- und/oder Durchschlafstörungen mehrmals pro Woche über einen längeren Zeitraum (mind. 1 Monat) auf und führen sie zu Tagesmüdigkeit und reduzierter Leistungsfähigkeit, dann sprechen Experten von Insomnie. Laut Gesundheitsreport 2017 der DAK litt vor der Pandemie bereits jeder zehnte Deutsche unter einer chronischen Insomnie. Verschiedene Schlafstörungen, zahlreiche Ursachen Schlafstörungen müssen in Hinblick auf ihre Symptomatik und mögliche Ursachen differenziert und genau diagnostiziert werden, bevor sie zielgerichtet behandelt werden können. Es geht z.B. darum, abzuklären, ob die Patientinnen und Patienten - unter einer nicht-organischen Insomnie mit Ein- und Durchschlafstörungen, - unter einer nicht-organischen Hypersomnie, die sich durch eine exzessive Schläfrigkeit während des Tages äußert, - unter einer Parasomnie wie z.B. Schlafwandeln, Albträumen oder nächtlichem Aufschrecken mit starkem Angstgefühl (Pavor nocturnus), - unter einem Schlaf-Apnoe-Syndrom, also Atemaussetzern mit starkem Schnarchen, - unter einem "Restless Legs Syndrom" mit störendem Bewegungsdrang und Unruhegefühl in den Beinen oder - unter teils heftigen Zuckungen der Beine (Periodic Limb Movement) leiden. Neben körperlichen Erkrankungen kommen verschiedene psychische Erkrankungen für die Schlafstörung in Frage. In erster Linie Depressionen, Psychosen sowie Angst- und Zwangserkrankungen. "Nehmen Sie sich ernst", rät Dr. med. Malevani und empfiehlt in bestimmten Fällen den Schlaf beobachten zu lassen. Die Oberberg Somnia Fachklinik Köln Hürth arbeitet für die Diagnose eng mit dem renommierten Schlafmediziner Dr. med. Michael Feld zusammen. "Wir führen bei den Patientinnen und Patienten über ein bis zwei Nächte mit einem mobilen Schlafanalysegerät (Polysomnographie) Messungen durch und erheben dabei bis zu zwanzig verschiedene Biosignale über mehrere Stunden im Schlaf. Anhand der Aufzeichnungen können wir häufig auch recht eindeutig bestimmen, ob der Schlafstörung ein körperlicher/organischer Befund oder eher eine psychische Erkrankung zugrunde liegt oder - wie bei vielen Patienten - beides", erklärt Dr. Feld. Ein gestörter Schlaf kann schließlich zu weiteren Symptomen wie Kopfschmerzen oder Konzentrationsstörungen führen. Folgeerkrankungen können auch Bluthochdruck, Diabetes, Erschöpfungszustände und Depressionen sein. Routinen für einen besseren Schlaf Insbesondere bei Schlafstörungen ohne erkennbare Ursache sollten Menschen mit Ein- und Durchschlafstörungen zunächst versuchen, ihre Verhaltensweise tagsüber und vor allem vor dem Zubettgehen zu überprüfen und ggf. zu verbessern. Chefarzt Dr. med. Malevani empfiehlt u.a. folgende verhaltenstherapeutische Maßnahmen: - Ritualisieren Sie Ihre Schlafgewohnheiten. Gehen Sie möglichst zur gleichen Zeit abends ins Bett und stehen morgens zur gleichen Zeit auf. - Essen Sie mindestens eine Stunde vor dem Zubettgehen keine schweren Mahlzeiten mehr. - Gönnen Sie Sich etwa eine Stunde "Runterkomm-Phase" zwischen der letzten anstrengenden körperlichen und seelischen Aktivität und dem Schlafengehen. - Notieren Sie sich die Zeiten, die Sie wach oder schlafend in Ihrem Bett verbringen (Schlaftagebuch). - Stehen Sie auf, wenn Sie der Meinung sind, genügend geschlafen zu haben. - Wenn Sie nachts aufwachen, verzichten Sie bitte auf den Blick zum Wecker. Versuchen Sie stattdessen, die Zeit des Wachliegens "subjektiv" zu beurteilen. Wenn Schlafstörungen über mehrere Wochen bis Monate andauern, sollte professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden. Eine fortwährende, sich steigernde Unausgeglichenheit und Reizbarkeit ("Dünnhäutigkeit") durch Schlafstörungen kann auch zu Problemen in der Partnerschaft, in der Familie und im Berufsleben führen. "Die Tagesschläfrigkeit kann die Betroffenen regelrecht zermürben; sie geraten leicht in einen Teufelskreis, aus dem sie nur schwer ausbrechen können. Lassen Sie lieber ärztlich überprüfen, wo mögliche Ursachen hierfür liegen", empfiehlt Dr. med. Malevani. Mehr zu Schlafstörungen hier: https://www.oberbergkliniken.de/krankheitsbilder/schlafstoerungen Über die Oberberg Gruppe: Die Oberberg Gruppe mit Hauptsitz in Berlin ist eine vor mehr als 30 Jahren gegründete Klinikgruppe mit einer Vielzahl an Fach- und Tageskliniken im Bereich Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie an verschiedenen Standorten Deutschlands. In den Kliniken der Oberberg Gruppe werden Erwachsene, Jugendliche und Kinder in individuellen, intensiven und innovativen Therapiesettings behandelt. Darüber hinaus existiert ein deutschlandweites Netzwerk aus Oberberg City Centers, korrespondierenden Therapeuten und Selbsthilfegruppen. Pressekontakt: HOSCHKE & CONSORTEN (oberberg@hoschke.de) www.oberbergkliniken.de Original-Content von: Oberberg Kliniken, übermittelt durch news aktuell

Quelle: Presseportal