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RheinEnergieStadion, Köln | Übersicht
Umbau

Umbau

Der Umbau bei laufendem Spielbetrieb - alle 14 Tage wird das Stadion, das während der Bauphase immerhin noch 30.000 Zuschauer fasst, vom 1. FC Köln für Heimspiele weiter genutzt.

Nach der Fertigstellung werden FIFA-gerecht 52.000 Zuschauer hineinpassen. Und die sitzen dann ganz dicht am Geschehen, denn die bisherige Leichtathletik-Laufbahn fällt ersatzlos weg. Stattdessen folgt der Grundriss des neuen Stadions ganz konsequent der rechteckigen Fußballgeometrie. Nicht nur das Bauen unter Betrieb, sondern auch die Logistik auf dem relativ engen Gelände ist eine zusätzliche Herausforderung für das ausführende Unternehmen Max Bögl aus Neumarkt/Oberpfalz.
Abgerissen und neugebaut wird jeweils immer nur eine Tribünenseite, dem Uhrzeigersinn folgend. Die erste Tribüne wurde im Dezember 2001 gesprengt. 

Die Dimensionen des mit rund 103 Millionen Euro Baukosten veranschlagten Bauwerks sind gewaltig: 42.000 m³ Ortbeton kommen allein für Aufzüge und Treppenhauskerne zum Einsatz. Für die 27.000 m³ Fertigteile müssen 2.000 bis 2.500 Lkw-Fahrten durchgeführt werden, da die meisten Teile in Neumarkt hergestellt werden. 

Auf den ersten Blick fallen als Gestaltungselement die vier großen Stahlpylone auf, die das Dach des neuen Stadions tragen. Der Bauherr, die Kölner Sportstätten GmbH, eine 100%ige Tochter der Stadt Köln, hofft, dass das Stadion zu einem neuen Wahrzeichen der Stadt werden wird. Die vier Stahlpylone sind von weitem bereits zu sehen und werden später durch ein spezielles Lichtkonzept zusätzlich für Aufmerksamkeit sorgen. 
Besonderer Wert wird in Köln auch auf die Qualität der Beton-Fertigteile gelegt, denn der architektonische Entwurf will die tragende Konstruktion nicht verstecken, sondern ganz bewusst offen zeigen. Das durchgehende Raster der Fertigteile beträgt 10 Meter, Zahnbalken bilden die Tribünengeometrie. Präzisionsfertigteile sind die Voraussetzung für die hohen statischen Ansprüche, die vom Tragwerksplaner Schlaich, Bergermann und Partner aus Stuttgart an die Ausführung gestellt werden. Und schließlich muss zu jeder Zeit sichergestellt sein, dass das Bauwerk in vier einzelnen Teilen hintereinander standsicher erstellt werden kann.

Gesamtkosten für das neue Stadion: 135 Mio. Euro gesamt, davon 35 Mio. Euro für das Dach.

Das Tragwerkskonzept sieht im Endzustand 5 eigenständige Bauteile vor. Vier Tribünenbauwerke, die jeweils in den Diagonalen durch Fugen voneinander getrennt sind, und das Dach, das sukzessive mit den Unterbauten errichtet wird, im Endzustand allerdings als eine Einheit statisch wirksam ist.
Bei der Auswahl des statischen Systems und Bauart wurde die Notwendigkeit, das Stadion während des laufenden Spielbetriebes umzubauen, besonders berücksichtigt.
Die jeweils für sich voll funktionstüchtigen Bauabschnitte wurden gleich nach Fertigstellung in Betrieb genommen.
Sukzessive wurde somit das bestehende Stadion abgerissen und das neue aufgebaut.

Die hängebrückenartige Dachkonstruktion ist dabei neben ihrer großen Zeichenhaftigkeit auch sehr gut geeignet für die Erstellung des Daches in einzelnen in sich standsicheren und nutzbaren Abschnitten.
Die Tribünenbauwerke, mit Ausnahme der Treppenkerne in Fertigteil-Halbfertigteilbauweise konzipiert, werden durch die Kerne und die biegesteifen Rahmen ausgesteift. Fugen sind ausschließlich in den Trennungen der Abschnitte Süd, West, Nord und Ost vorgesehen. Neben den Horizontalen Lasten aus der Tribüne selbst, werden auch alle Horizontalkräfte aus der Dachkonstruktion in die Stahlbetonkonstruktion eingeleitet. Direkt in die Fundamente werden diese über, in die Fertigteile integrierte, Stahlverbände abgetragen.
Die Zahnbalken werden nach Transport-, Montage-, und Bauablaufgesichtspunkten in zwei oder drei Abschnitte geteilt. Die Durchlaufträger werden dabei im Momentennullpunkt (unter Gleichlast) gestoßen.

Insgesamt wurden ca. 10.000 Fertigteile verbaut, die bis zu 65 t schwer waren. Es ist Ziel des Tragwerks die Eigenfrequenz der Zahnbalken und der Stufenelemente auf mindestens 6-7 Hz auszulegen.
Die Einzeldächer sind ungefähr entlang ihrer Mittellinie an den vier Masten aufgehängt und stützen sich am Außenrand mit Pendelstützen auf die Tribünenaußenkante ab. Damit wird auch bei ungleichmäßig verteilten Schnee- und Windlasten die Balance gehalten. Für die statische Prüfung hat man mehr als 100 Lastfallkombinationen untersucht.
Das Aufhängesystem funktioniert wie die klassische Hängebrücke, die auch im Brückenbau bei großen Spannweiten als die wirtschaftlichste Bauart eingesetzt wird.
Zwei parallele große Hängeseile tragen die vertikalen Dachlasten zu den Masten am Dachende hin ab.

Diese werden nach außen abgespannt damit nur axiale Druckkräfte und keine Biegemomente entstehen. Die Abspannseile werden in Höhe der Dachfläche umgelenkt und vertikal zum Boden geführt. Ihre horizontalen Komponenten werden durch einen Druckstab aufgenommen, der innerhalb der Dachkonstruktion die gegenüber liegenden Abspannseile verbindet und Gleichgewicht herstellt. Dies entspricht dem klassischen System der ?Selbstverankerten Hängebrücke?.
Die vier Hauptmaste mit etwa 70m Höhe besitzen je vier Eckstiele in quadratischem Querschnitt 5x5 m, und sind durch schmale hohe Riegel biegesteif ausgesteift. Ihre Fußpunkte, die ca. 60.000 kN aufnehmen müssen, wurden als Kugelgelenk ausgebildet, damit sie den Dachverformungen zwängungsfrei folgen können.
Die Hänge- und die Abspannseile sind vollverschlossen. Sie werden gelenkig über Gabelköpfe und Laschen-Bolzenverbindungen an die Masten angeschlossen. Die Seile belasten die Maste, stabilisieren sie aber auch gleichzeitig.

Die Druckstreben, annähernd 200 m lang und mit quadratischem Querschnitt 2,5x3,0m durchdringen die Maste, berühren sie aber nicht, um insgesamt nur ?schwimmend? in den Seilen zu hängen. Sie sind als Fachwerk mit Druckdiagonalen ausgeführt. Die Dachträger kragen im Abstand von 10 m vom Druckstab nach vorn und hinten etwa 25 m weit aus, mit abnehmender Konstruktionshöhe.
Die Gesamte Dachscheibe wird über vier Vertikalverbände horizontal gehalten. Da die Trägerseile im Scheitel fest mit der Dachscheibe verbunden sind wird so auch die Stabilisierung der Maste sichergestellt.
Nur für die Bauzustände, bei noch unvollständiger Dachscheibe, werden zusätzliche, temporäre Abstützungen benötigt.

Insgesamt greift das neue Fußballstadion die orthogonale Gartenarchitektur und die historischen Portalbauten sehr gut auf. Der neue Baukörper wird harmonisch zwischen die umlaufenden mächtigen Ahornalleen eingefügt. Die 4 Maste, architektonisch durch die inneren Lichtstellen überhöht, bilden eine weithin sichtbare Landmarke.

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