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Martin Elsaesser und das Neue FrankfurtTermin: 10. Oktober 2009 - 14. März 2010 Als künstlerischer Leiter des Hochbauamts war Martin Elsaesser (1884-1957) für die kommunalen Großbauten Frankfurts zuständig und hat damit maßgeblich zur Gestaltung des von OB Ludwig Landmann initiierten Neuen Frankfurt beigetragen. Zwischen 1925 und 1932 plante er zahlreiche Bauten, von denen elf realisiert wurden. Mit Ausnahme der Großmarkthalle - zukünftig Teil des Sitzes der Europäischen Zentralbank - sind heute jedoch nur noch wenige dieser Gebäude in der öffentlichen Wahrnehmung präsent. Mit der Ausstellung soll Martin Elsaesser aus dem architekturhistorischen Schatten geholt und als ein Baumeister gewürdigt werden, der es vermochte, modernste Bauweisen mit traditionellen Bezügen zu verweben. Als Baudirektor zeichnete sich der zuvor bereits in Stuttgart und Köln erfolgreich tätige Architekt für eine Reihe von kommunalen Bauprojekten verantwortlich: Neben der Großmarkthalle, die schon in den 1920er Jahren durch ihre innovative Schalenbetontechnik zum beliebten Ziel des Architektentourismus avancierte, realisierte Elsaesser vor allem zahlreiche kommunale Schulbauten, aber auch ein Schwimmbad, ein psychatrisches Krankenhaus sowie einen Kirchenbau. Dabei setzte sich Martin Elsaesser von den radikalen, erzieherisch wirkenden Siedlungsbestrebungen seines Kollegen Ernst May ab - und zahlte den hohen Preis zunehmender Kompetenzbeschneidung und beruflicher Isolation innerhalb der Frankfurter Bauverwaltung. Dem zeitgenössischen Volksmund zufolge hieß es: "Alles neu macht der May, alles besser Elsaesser" - eine Behauptung, die Elsaessers Absichten unterstreicht, Gebäude aus ihrer Zeit heraus zu schaffen, ohne dabei jedoch die Befindlichkeiten einer von ihrer Umwelt entfremdeten modernen Gesellschaft zu ignorieren. Elsaessers bauaufgabenbezogener Pragmatismus und sein Vermögen, die individuellen ästhetischen Bedürfnisse seiner Bauherren zu berücksichtigen, lassen ihn im Rückblick als Vertreter einer moderaten, zwischen Tradition und Moderne vermittelnden Architektur erscheinen. Elsaessers Frankfurter Bautätigkeit fand durch die Weltwirtschaftskrise von 1929 und ihre Folgen ein unvorhergesehenes Ende: Nachdem wegen der desolaten Haushaltslage die öffentlichen Bauaufträge ausblieben, wurde er als letzter Vertreter des Neuen Bauens für angebliche Verfehlungen des 1930 in die UDSSR übergesiedelten Baudezernenten Ernst May verantwortlich gemacht. Vor dem Hintergrund einer zunehmend nationalsozialistisch gesinnten Stimmung in Presse und Magistrat verließ er 1932 die Stadt und siedelte nach München über, ohne allerdings an den Erfolg der Frankfurter Jahre jemals wieder anknüpfen zu können. Über die Ausstellung Ermöglicht wurde die Ausstellung durch den Kulturfonds FrankfurtRheinMain (GmbH) im Rahmen des Gemeinschaftsprojekts "Phänomen Expressionismus". Gefördert wird sie durch die Martin-Elsaesser-Stiftung, unterstützt durch die Stadt Frankfurt am Main und die Europäische Zentralbank (EZB). Begleitend zur Ausstellung erscheint ein gleichnamiges Buch im Wasmuth Verlag, Tübingen, herausgegeben von Thomas Elsaesser, Christina Gräwe, Jörg Schilling und Peter Cachola Schmal. Es dokumentiert die Projekte in der Ausstellung und beleuchtet zudem Martin Elsaesser als (Familien-) Mensch, Architekt und Lehrer vor und nach seiner Frankfurter Zeit. Tagung über das Lebenswerk von Martin Elsaesser Ort: Am 11. Februar findet die Tagung auf dem Campus Bockenheim der Johann Wolfgang Goethe-Universität, in der Aula Jügelhaus, Mertonstr. 17-21 statt und am 12. Februar im Deutschen Architektur Museum am Schaumainkai 43. Die Teilnehmergebühr für beide Tagungstage beträgt 20 Euro; freier Eintritt für Studierende mit gültiger Studienbescheinigung. Für Mitglieder der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen besteht die Möglichkeit 8 Fortbildungspunkte zu erwerben. Eine Anmeldung ist nicht notwendig. ![]() Weitere Informationen: |