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Umwelt / Energie

Europäischer Architekturpreis 2009

Energie + Architektur

Preisträger des Europäischen Architekturpreises: Europäische Investitionsbank, Luxemburg. Architekt: ingenhoven architects. Foto: Matthias Reithmeier.

Der architektonische Entwurf ist mit entscheidend dafür, welche Ressourcen und wie viel Energie notwendig sind, um ein Gebäude errichten, betreiben und nutzen zu können. Vor dem Hintergrund zunehmender Umweltverantwortung und steigender Energie- und Rohstoffpreise wird Nachhaltigkeit damit zu einem unerlässlichen Merkmal zukunftsfähiger Architektur.

Der Europäische Architekturpreis 2009 Energie + Architektur soll zeigen, dass energetische Konzepte mit innovativer Gebäudetechnik zum Bestandteil der gestalterischen Lösung, zum - möglicherweise auch sichtbaren - Bestandteil anspruchsvoller Architektur werden können. Er soll zeigen, dass energiebewusstes Planen und Bauen den Architekten in seiner Kreativität nicht einschränkt, sondern dass sich sogar neue Möglichkeiten eröffnen. Er soll die Industrie anspornen, Lösungen und Produkte für diesen Anspruch zu entwickeln. Er soll Architekten, Fachplaner und Sanitär-Heizung-Klima-Fachunternehmen in einen koordinierten und integrativen Planungs -prozess bringen.

In vielen der eingereichten Projekte wird bereits deutlich, dass die Zusammenarbeit von Architekten, Fachplanern und Fachunternehmen zu bemerkenswerten Entwicklungen und Ergebnissen führt. Voraussetzung dafür ist aber auch die Nachfrage auf der Investorenseite. Die diesjährigen Einreichungen haben gezeigt, dass die Nachfrage nach energetisch optimierten Gebäuden auch im Wirtschaftsbau, also für Büro- und Produktionsgebäude, für Märkte und Warenhäuser sowie in Projekten der öffentlichen Hand stetig wächst.

Ziele der Auslobung und Beurteilungskriterien
Architektur ist die Auseinandersetzung des Menschen mit gebautem Raum. Heute werden Gebäude entworfen und realisiert, die Energie effizient nutzen und erneuerbare Energien konzeptionell integrieren, um mitunter sogar Energie über ihren eigenen Bedarf hinaus zu erzeugen. Das Gebäude wird zum ästhetischen Energiesammler und -wandler. Energietechnik wird am Gebäude sichtbar, oft sogar Teil der Gebäudehülle oder der Gebäudekonstruktion. Energetische Konzepte werden Bestandteil der gestalterischen Lösung. Dies erfordert integrative Ansätze in einem frühen Planungsstadium.

Zusammen mit Fachplanern und dem Fachhandwerk können Architekten das Gestaltungspotenzial im intelligenten Umgang mit energieeffizienten Lösungen für Neubau und Gebäudebestand besser nutzen und den Anforderungen an zukunftsfähige Gebäude gerecht werden. Dass das Thema "Energie" für Architekten mehr Lust als Last bedeuten kann, soll der vom Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) gemeinsam mit dem Bund Deutscher Architekten BDA ausgelobte Europäische Architekturpreis 2009 Energie + Architektur zeigen.

Die eingereichten Objekte wurden an folgenden Kriterien gemessen:

  • ganzheitlicher Ansatz der architektonischen Idee und deren Umsetzung
  • ästhetische Gestaltung
  • Einbindung in das städtebauliche Umfeld
  • nachhaltige Bauweise und effizienter Ressourceneinsatz
  • funktionale Qualität
  • Verwendung und Integration energieeffizienter Technologien in und an Gebäuden sowie die Nutzung erneuerbarer Energien

Die Auslober
Bund Deutscher Architekten BDA
ZVSHK/Gebäude- und Energietechnik Deutschland

Die Jury
Dominik Dreiner (Architekt BDA)
Michael Frielinghaus, vorsitzender der Jury (Architekt BDA)
Ulrich Gerding (Kachelofen- und Luftheizungsbaumeister)
Hans-Joachim Hering (Dipl.-Ing. und selbstständiger SHK Unternehmer)
Prof. Gerhard Matzig (Dipl.-Ing. und Redakteur der Süddeutschen Zeitung)

Der Preisträger

Foto: ingenhoven architects, D-Düsseldorf.

Europäische Investitionsbank in Luxemburg
Architekt: ingenhoven architects - Düsseldorf, Deutschland

Die Europäische Investitionsbank (EIB) mit Sitz in Luxemburg wurde 1958 als Bank der Europäischen Union gegründet und gilt heute als einer der weltweit größten öffentlichen Kreditgeber. Der im Sommer 2008 bezogene Erweiterungsbau zum benachbarten Hauptsitz der EIB im Europäischen Quartier auf dem Kirchbergplateau sollte Raum für weitere 750 Arbeitsplätze schaffen, aber auch Vorbildfunktion übernehmen. Hohe Umweltstandards, Energieeffizienz und der verantwortliche Umgang mit den natürlichen Ressourcen zählten daher zu den selbstverständlichen Vorgaben. Die Arbeit zeigt einen kompakten Baukörper in Form einer ins ansteigende Gelände geschnittenen Glasröhre. Unter der überdimensionalen Glashülle liegen mäanderförmig gereihte und über Stege sowie einen entlang der Nordfassade verlaufenden Verbindungsweg verknüpfte Bürotrakte. Die V-förmigen Räume zwischen den Bürotrakten fungieren auf der Nordseite als unbeheizte "Wintergärten", auf der Südseite als leicht temperierte, stützenfrei überspannte "öffentliche" Atrien.

Die Loslösung der äußeren Hülle von den eigentlich raumbegrenzenden Innenfassaden bildet den Kerngedanken des Entwurfs und bietet hinsichtlich des ökologischen Konzepts wesentliche Vorteile. Erstens fungieren Kalt- und Warmatrien gleichsam als isolierende Klimahülle. Mittels Öffnungsklappen findet dort eine geregelte Frischluftzirkulation statt, die das Öffnen von Fenstern zur natürlichen Belüftung zum Atrium selbst im Winter erlaubt. Zweitens wurde erst durch die Abschirmung direkter Witterungseinflüsse wie Regen und Wind der Einbau von großflächigen Holzfassaden und -fenstern möglich. Dies führt nicht nur zu einer höheren Behaglichkeit, sondern im Vergleich zu Standard- Aluminiumfassaden auch zu einer Reduzierung der ansonsten benötigten Primärenergie.

Zur Überprüfung der ökologischen Qualität wurde das Projekt als erstes Bauwerk in Kontinentaleuropa nach der englischen "Building Research Establishment Environmental Assessment Method" (BREEAM) bewertet. Diese Zertifizierung wurde gewählt, weil sei 2005 von der OECD als die umfassendste Methode in Europa eingestuft wurde. Anhand der Entwurfsunterlagen wurde das Gebäude mit der Note "excellent" ausgezeichnet.

Weitere Details zum Projekt (u.a. zum Klimakonzept der Atrien) und die Beurteilung des Projekts durch die Jury stehen als pdf-Download zur Verfügung.

Lobende Erwähnungen

Foto: Paolo Riolzi,
I-Mailand.

MUSEION - Museum für moderne und zeitgenössische Kunst in Bozen
Architekt: KSV Krüger Schuberth Vandreike - Berlin, Deutschland

Das Museum für moderne und zeitgenössische Kunst in Bozen ist ein Bauwerk, in dem sich eindrucksvolle Architektur, energiesparende Bauweise und nutzungsorientierte, intelligente Gebäudetechnik außerordentlich effektiv miteinander verbinden. Die aufgrund der umliegenden Bebauung zwangsweise Ausrichtung der Gebäudeachse in Ost-West-Richtung und die nur dort vorhandenen, transparenten Fassaden bieten nicht nur die optische Verbindung zwischen Innenstadt und Flusslandschaft, sondern eröffnen auch Möglichkeiten, energiesparenden Einfluss auf den Energiehaushalt des Gebäudes zu nehmen.

Foto: Michel Feinen,
L-Echternach.

Neubau Foyer scolaire und Ecole prÉcoce-prÉscolaire in Luxemburg-Hamm
Architekt: Witry&Witry.SA - Echternach, Luxemburg

Die architektonisch klare Bauweise des sozial genutzten Gebäudes bietet bereits jungen Menschen die Möglichkeit, zukunftsorientierte Wohnqualität und Energiekonzepte zu erleben und anzunehmen. Das Heizkonzept mit Einsatz von regenerativer Energie ist positiv zu bewerten, die Heizflächen sind technisch konventionell, aber die Jury ist der Meinung, dass die Anforderungskriterien, insbesondere mit der Aussage "Symbiose von zukunftsweisendem Baustil und pädagogischer Arbeit" dieses Projekt lobenswert macht.

Foto: Thomas Jantscher, CH-Colombier.

Produktions- und Logistikgebäude der Hilti AG in Thüringen, Österreich
Architekt: ATP Innsbruck Planungs GmbH - Innsbruck, Österreich

Bei der Erweiterung der Hilti Produktionsstätte in Thüringen wurde von Anfang an offensichtlich vieles richtig gemacht. Der Bauherr hat ein anspruchsvolles Gebäude bestellt, der Architekt und die beteiligten Projektingenieure haben in vorbildlichem Maße das Ideal des integralen Planens und Bauens verwirklicht. DIe Ausrichtung des Gebäudes wurde mit Sorgfalt gewählt. Die Material und Produktwahl erfolgte nach Prinzipien der Nachhaltigkeit und der Ökologie. Der Energieverbund aus Luft/Erdwärmetauscher, Grundwassernutzung und Nutzung der Abwärme vorhandener Anlagen eignet sich als emissionsfreies Energieerzeugungssystem für die Niedertemperaturheizund Hochtemperaturkühlsysteme. Die Liste der eingesetzten Mittel und Verfahren repräsentiert ein breites Spektrum von alternativen Energiegewinnungsund Einsparpotenzialen. Es wurde ein in sich schlüssiges Konzept von Architekturanspruch und technischer Integration verwirklicht. Der Nutzer erhält ein hochflexibles, zukunftsorientiertes Industrie- und Produktionsgebäude.

Foto: Eduard Hueber, USA-New York.

Neubau des e-Science Lab der ETH in Zürich
Architekt: Baumschlager Eberle Lochau ZT GmbH - Lochau, Österreich

Das Gebäude für e-Sience Lab der ETH-Zürich ist ein herausragendes Beispiel für eine Architektur, die durch ihre Baukörperform, Gebäudestruktur und Fassadenausbildung die Voraussetzungen für einen niedrigen Energieaufwand schafft. Dieses Konzept wird durch den gezielten Einsatz fortschrittlicher Technik unterstützt.

Download
Ausführliche Details zu den ausgezeichneten Büros stehen als pdf-Download zur Verfügung.

Weitere Projektpräsentationen der gewürdigten Büros bei architekten24.de:
ingenhoven architects
ATP Innsbruck Planungs GmbH
Baumschlager Eberle Lochau
Witry&Witry.SA

Weitere Informationen:
Bund Deutscher Architekten BDA
Bundesgeschäftsstelle
Köpenicker Straße 48/49 ? 10179 Berlin
Tel.: 0 30 - 27 87 99 0
Fax: 0 30 - 27 87 99 15
eMail: kontakt@bda-bund.de 
web: www.bda-bund.de

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