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Ausstellungen

UNESCO

Fagus-Werk ist UNESCO-Welterbestätte

Das UNESCO-Welterbekomitee hat auf seiner 35. Tagung in Paris am 25.06.2011 das Fagus-Werk in die Liste des Kultur- und Naturerbes der Welt aufgenommen. Die Fabrikanlage im niedersächsischen Alfeld (Leine) gilt als Ursprungswerk der modernen Industriearchitektur. Das Gebäude der Fagus GmbH war der erste große Bau des jungen Walter Gropius und späteren Stararchitekten des Bauhauses.

Cornelia Pieper, Staatsministerin im Auswärtigen Amt, erklärte dazu:
"Wir freuen uns außerordentlich, dass das Welterbekomitee heute das Fagus-Werk in seine Liste der UNESCO-Welterbestätten aufgenommen hat. Mit der Aufnahme des Fagus-Werkes würdigt das Komitee, dass Deutschland nicht nur über geschichtsträchtige Architekturkunstwerke aus der älteren Geschichte verfügt, sondern auch über signifikante Stätten der Industriearchitektur der Moderne."

Faguswerk, Eingangsportal mit Glasfassade, Schuhleistensaal und Trockenhaus im Hintergrund. Bilder: © Carsten Janssen, Alfeld

Das Faguswerk, eine 1910 von Walter Gropius entworfene Schuhleistenfabrik, zählt zu den bahnbrechenden Pionierleistungen der modernen Industriearchitektur. Darüber hinaus gehört dieser Industriekomplex zu den ganz wenigen in seiner ursprünglichen Form und Funktion erhaltenen Beispielen für die Industriearchitektur des 20. Jahrhunderts.

Mit der Konstruktion aus Glas und Stahl und den stützenlosen, vollständig verglasten Ecken, die zum Markenzeichen des Neuen Bauens wurden, verlieh Gropius dem dreistöckigen Fassadengebäude seine schwerelose Eleganz, die damals für Fabriken außergewöhnlich war. Das Fagus-Werk veranschaulicht die revolutionierenden Ideen von Gropius. Er prägte mit seinem Erstlingswerk eine neue Stilrichtung und ebnete damit der Architektur der Moderne den Weg.

Stützenlose Ecke im Faguswerk zur Bahnseite

Der funktionalistische Industriekomplex wurde in drei Bauabschnitten von 1911 bis 1925 von Gropius und und Adolf Meyer errichtet, eine letzte Erweiterung wurde 1938 von Peter Neufert ausgeführt. Die Architektur der einzelnen Gebäude passt sich deren Funktion an. So ist das Lagerhaus ein solider Steinbau, während die Werkstatt durch große Glasfronten eine helle und somit zum Arbeiten optimale Umgebung schafft. Gropius' Architektur mit stützfreien Ecken, die nur mit Glas verhängt sind, markieren den Beginn der modernen Skelettbauweise.

Aufgrund industrieller Innovationen und neuer Technologien wurden die insgesamt zehn Fabrikkomponenten im Laufe der letzten 100 Jahre teilweise renoviert und umgenutzt. Da das Gelände schon seit 1946 ein eingetragenes Baudenkmal ist, wurden die Umbauten nach Gropius' stilistischen Vorgaben und mit entsprechenden Materialien ausgeführt.

Stützenlose Ecke im Treppenhaus

Den Architekten gelang es, einem mittelständischen Betrieb ein neues, revolutionäres, vom Traditionellen abweichendes Erscheinungsbild zu geben. Benscheidt bewies durch sein Vertrauen in Gropius' moderne Auffassung von Architektur ein gutes Gespür, denn die Fabrik stellt rückblickend das Manifest der "Neuen Sachlichkeit" dar. Als Firmengründer Carl Benscheidt dem jungen Walter Gropius den Auftrag gab, seine neue Schuhleistenfabrik zu gestalten, zeugte das vom Mut des Bauherrn und Innovationskraft des Architekten. Der Fabrikant wollte sein Produkt und die Arbeitsbedingungen nach amerikanischer Unternehmensphilosophie reformieren. Die Schuhleisten entstanden mithilfe verbesserter Fertigungsmethoden, und neuesten Forschungsergebnissen aus der Orthopädie. Das Fabrikgebäude ist mit der von Glas dominierten Fassade Ausdruck unternehmerischen Selbstbewusstseins und einer modernen Werbestrategie - ein frühes Beispiel einer Corporate Identity.

Der Name der Fabrik leitet sich aus dem lateinischen Wort "Fagus" für Buche bzw. Buchenholz ab. Aus diesem Material wurden - bis zum Umstieg auf Kunststoffe in den 1970er Jahren - die Schuhleisten hergestellt. Auch im Jahr des 100. Jubiläums werden im Fagus-Werk heute noch Schuhleisten für die internationale Schuhproduktion hergestellt. Daneben besteht die Produktpalette aus elektronischen Meß- und Regelsystemen und Brandschutzeinrichtungen und Keilzinkenanlagen für die Massivholzverarbeitung.

Fagus Gropius Ausstellung
Insgesamt 3000m² Ausstellungsfläche sind im ehemaligen Lagerhaus auf elf Etagen verteilt. Die Ausstellung ist in Zusammenarbeit mit dem südniedersächsischen Museumsverbund, dem Ministerium für Wissenschaft und Kultur, sowie externen Fachberatern entstanden. Themengebiete reichen von der Schuhmode eines Jahrhunderts über die Mitarbeiter und die Massivholzverarbeitung bis hin zum Lebensraum Wald und der Vielfalt der Holzwerkstoffe. Seit 2006 sind die original Gropius Möbel in der Fagus Gropius Ausstellung zu besichtigen. (Leihgabe der Niedersächsichen Sparkassenstiftung) Ausstellung und Fabrik sind für Besichtigungen geöffnet.

Die Moderne im Blick - Fotografien zum Fagus-Werk
Ausstellungsdauer: 22. Juni - 29. August 2011
Ort: Bauhaus-Archiv e. V., Museum für Gestaltung
      Klingelhöferstraße 14, D-10785 Berlin

Eine weitere Ausstellung zu Fotografien von Albert Renger-Patzsch ist seit 22. Juni noch bis 29. August 2011 in Berlin zu sehen. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen Fotografien aus dem Jahr 1928 von Albert Renger-Patzsch. Diese zeigen außer der Architektur auch Erzeugnisse des Fagus-Werks und die Firmeninhaber. Sie gelten heute als Meisterwerke der neusachlichen Fotografie gelten. Ein Vierteljahrhundert später - 1952 - nahm Renger-Patzsch erneut das Fagus-Werk in den Blick. Diese Aufnahmen verdeutlichen gerade in der Gegenüberstellung zu den frühen Werken aber eine andere Herangehensweise an das Thema. - www.bauhaus-archiv.de

Bauhaus Reise zum Fagus-Werk
Termin: 14.08.2011
Busfahrt von Berlin nach Alfeld/Leine mit Führung durch das Fagus-Werk und die Fagus-Gropius-Ausstellung
Kosten: 30 Euro für Mitglieder; 40 Euro für Nicht-Mitglieder
Information und Anmeldung unter: fuehrungen@bauhaus.de

Weitere Informationen:
www.fagus-gropius.com
www.unesco.de

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