architekten24.de
Home Projekte News Planer Fachfirmen Produkte Dienstleistungen Hersteller Publikationen Links
News | Wissenswertes
Schnell zum Ziel
Newsletter
Aktuelle Meldungen über Projekte, Ereignisse und Veranstaltungen. Der Bezug ist kostenlos und verpflichtet Sie zu nichts. Zur Anmeldung
Soziale Netzwerke
     
architects24.com Internat. Newsletter
Medienpartner
nach oben   
Wissenswertes

Sind Skateanlagen notwendig?

Nach inzwischen mehr als drei Jahrzehnten sind Skaten und BMX nun fester Bestandteil der urbanen Bewegungskultur geworden. Die von einer Skateanlage angesprochene Zielgruppe stellt einen bunten Querschnitt aus verschiedenen Jugendszenen dar. So nutzen neben den Skateboardern auch BMX- und Mountainbike-Fahrer sowie Inlineskater diese Anlagen. In Amerika funktionieren Skateparks unter den Freizeitanlagen am allerbesten.

BMXer beim Air auf einer Skateanlage

Mittlerweile sind diese "Trendsportarten" sogar so etabliert, dass auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) nicht umhinkommt, davon Kenntnis zu nehmen. So fand bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking erstmalig die Disziplin "BMX Race" statt. Bei den Spielen 2012 in London soll Premiere für Skateboarder und BMXer auf einer Vertikalen Rampe (Halfpipe) sowie Street/Park sein.

Doch leider ist die rasante Entwicklung der letzten 30 Jahre bisher in Europa kaum und in Deutschland noch gar nicht angekommen. Oftmals floss zwar viel Geld in temporäre Anlagen, aber die Rampen und Fahrflächen kamen von Spielgeräteherstellern und entsprachen daher ganz und gar nicht den Anforderungen der Skate- und BMX-Sportler. Von Nachhaltigkeit keine Spur.

So entstanden überwiegend langweilige und fehlinvestierte Plätze mit der Folge, dass Skater und BMXer ihren Sport doch wieder im öffentlichen Raum ausüben. Egal ob auf Spielplätzen, Plätzen oder in Wohnanlagen - es wird auf Treppenanlagen, Handläufen, Bänken, Rutschen oder Wasserbecken gesprungen und gerutscht (gegrindet) oder diese werden auch übersprungen.

Diese "Fremdnutzung" des öffentlichen Raums führt natürlich zu jeder Menge Konflikten zwischen Städten, Kommunen, Anwohnern und Sportlern, ganz zu schweigen von den Schäden, die an den Bauwerken entstehen. Das Resultat sind meist Fahrverbote für die Sportler, Skatestopper an Geländern oder abgeschliffene Sitzmauern (Curbs). Allerdings regeln diese Verbote nicht den großen Bedarf an Flächen für Sportler, sondern drängen den Sport in die Illegalität.

Zusammenarbeit mit Skate- und BMX-Szene
Im Gegensatz dazu stehen die Planung und der Bau attraktiver Skateparks - mit einer vorgeschalteten intensiven Auseinandersetzung mit dem Sport. Ein gutes Ergebnis kann nur in enger Zusammenarbeit mit der lokalen Skate- und BMX-Szene sowie mit Sportlern oder Fachleuten erzielt werden. Und: Es handelt sich ja nicht nur um eine Sportart, sondern um mehrere: Skateboard, BMX, Inlineskate und neuerdings auch Mountainbike. Geht man diesen Weg der Beteiligung - ich nenne es Workshop-Verfahren - nicht und greift stattdessen nur zu vorgefertigten Angeboten, so wird das Ergebnis meist nicht akzeptiert und schon gar nicht entsprechend genutzt.

Computeranimation Skatepark Köln

Was macht einen guten Skatepark aus?
Da sowohl das Skateboard als auch das BMX-Rad auch Transportmittel sind, muss der Park zentral liegen und frei zugänglich sein (legaler urbaner Treffpunkt für Rollsportbegeisterte). Er darf nicht steril sein, sollte Stadion-Charakter haben aber zugleich auch über einen Streetparcours verfügen, sodass er wie auf öffentlichen Straßen durchfahren werden kann. Verschiedene Ebenen für verschiedene Benutzergruppen lassen sich durch Banks (Rampentyp), Rails (Handläufe), Treppenstufen, Gaps (Rampentyp) und Ledges (Rampentyp) miteinander verbinden und bieten so eine flüssige, dynamische, organische Ordnung (harmonisch und sensibel in sein Umfeld integriert). Der fest aufgebaute Rampen-Parcours (Bowl, Minirampe) wird durch verschiedene mobile Elemente authentischer Skatelandschaften im öffentlichen Raum ergänzt (Picknick-Tische, Tonnen, Bänke etc.). So besteht für den Anfänger wie für den Fortgeschrittenen die Möglichkeit, sich auf derselben Anlage seinem Leistungsniveau entsprechend zu entwickeln. Beachtet man diese grundsätzlichen Dinge, so kann man sicher sein, dass ein Skatepark für mehrere Jahre interessant ist und vor allen Dingen auch dauerhaft interessant bleibt.

Skateanlagen in Gestalt öffentlicher Plätze
Aufgrund der Tatsache, dass der Sport in letzten zwanzig Jahren fast nur im öffentlichen Raum ausgeübt wurde, sollte sich das Aussehen heutiger Skateanlagen an die Gestalt öffentlicher Plätze anlehnen. Die einzelnen Elemente solcher "künstlicher" Plätze unterscheiden sich kaum von jenen, die auf "echten" Stadtplätzen zu finden sind. Eine neutrale Platzgestaltung soll jede Art von Nutzung ermöglichen, die auf einem solchen Belag denkbar ist. Die Aufenthaltsqualität dieser Anlagen wird nicht nur für die Sportler attraktiv sein, sondern soll auch Passanten zum Verweilen animieren und so den Akteuren Publikum verschaffen. So werden die Skateanlagen der Zukunft so genannte "Skate Plazas" sein.

Über den Autor:
Ralf Maier, freier Landschaftsarchitekt bdla, Köln

  • über 15 Jahre BMX-Profi (Deutscher Meister, Weltmeister)
  • Autor zweier Bücher über den BMX Sport
  • Ende 2009 erscheint sein neues Buch über den BMX Sport sowie über die Planung entsprechender Anlagen
  • Mitglied im Normenausschuss für Sport- und Freizeitgeräte, "Skate-Einrichtungen"
  • Fachsprecher des Bunds Deutscher Landschaftsarchitekten NRW für Tourismus und Freizeit

Weitere Informationen:
web: www.maierlandschaftsarchitektur.de
web: www.betonlandschaften.de

© 2012 ABV Architekten und Bauherren Verlag GmbH
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der ABV Architekten und Bauherren Verlag GmbH